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1. Müde durch Corona

Covid hinterlässt seine Spuren in Wachheit und Schlaf, insbesondere im Fall von Long Covid.

Bei einem grippalen Infekt oder einer Grippe ziehen wir uns erschöpft ins Bett zurück. Unser Körper empfiehlt uns, das Richtige zu tun: Einschlafen und dem Immunsystem das Zepter in die Hand drücken. Das kann besonders gut im Tiefschlaf arbeiten.

Kleiner Twist zu Depressionen: Auch die verursachen eine bleierne Müdigkeit. Sie machen uns energielos, kraftlos und antriebslos. Klingt im ersten Moment wie Long Covid -> siehe Kapitel Depressionen.

Nun aber zum Thema:

Wenn unser Immunsystem in der Nacht arbeitet, macht es sich bemerkbar, und ganz besonders, wenn es einen schweren Infekt bekämpft. Kein Wunder, dass man dann auch noch schlecht schläft. Zusätzlich kann Covid Konzentrationsprobleme verursachen. Was kann man tun, wenn Erschöpfung und Konzentrationsprobleme Wochen und Monate nach einer Corona-Infektion anhalten? Long Covid bezeichnet Symptome die über 1-3 Monate nach einer überwundenen Corona-Infektion hinaus noch vorhanden sind. Das typischte Merkmal ist eine massiv gesteigerte, körperliche Erschöpfbarkeit, auch Fatigue genannt. Minimale Belastungen im Alltag verursachen oft eine deutliche Verschlechterung. Der Alltag lässt sich kaum bewältigen, viele Betroffene sind nicht arbeitsfähig. Dazu kommen Schmerzen, Kreislaufprobleme, unerholsamer Schlaf, Konzentrationsprobleme und Wortfindungsstörungen. Das nennen wir Brainfog, Hirnnebel. Es besteht eine gesteigerte kognitive Ermüdbarkeit. Das bedeutet, dass das Gehirn schneller müde wird und nicht mehr so lange durchhält. Lesen geht nur für wenige Seiten, länger kann man sich nicht konzentrieren. Warum ist das so?

Die genauen Ursachen werden gerade intensiv erforscht. Wahrscheinlich ähneln die Ursachen denen anderer Viruserkrankungen, wie z.B. dem Epstein-Barr-virus, das Pfeiffersches Drüsenfieber verursacht. Auch da gibt es immer wieder Menschen, die nach ihrer Erkrankung an einer postviralen Fatigue leiden. Das kann Jahre andauern. Die meisten Symptome verschwinden innerhalb eines Jahres. In der Forschung ist man sich sicher, dass diese Langzeitfolgen mit einer fehlerhaften Reaktion unseres Immunsystems zusammenhängen. Das Immunsystem arbeitet auch nach der Erkrankung weiter gegen das Virus an, auch wenn der Gegner eigentlich längst besiegt wurde. Möglicherweise führen übriggebliebene Viruspartikel zu einer andauernden Reaktion des Immunsystems. Oder andere Viren, die bereits im Körper schlummern, werden reaktiviert. Vielleicht ist es aber auch eine Neuroinflammation, bei der gezielt Immunzellen aktiviert werden. Vielleicht ist es aber auch eine Autoimmunreaktion. Diese Forschungshypothesen erklären auch, warum in diesen Fällen eine weitere Corona-Impfung zu einer Verschlechterung der Situation führt. Hier gibt es allerdings noch Forschungsbedarf.

Was klar ist: Long Covid lässt sich nicht einfach wegzaubern. Was lässt sich trotzdem aktiv dagegen tun? Welche Tipps gibt es aus Sicht der Schlafforschung?

Auch ohne eine Corona-Infektion war die Corona-Zeit sehr herausfordernd. Für die Entstehung von Schlafstörungen waren bereits die Umstände der Pandemie ausreichende Auslöser, eine Infektion war gar nicht unbedingt nötig.
Wenn Schlafstörungen durch eine Corona-Infektion ausgelöst wurden, sind erst einmal sehr regelmäßige Schlafenszeiten wichtig. Fixe Bettgeh- und Aufstehzeiten, maximal 20 Minuten Powernap tagsüber, nur zum Schlafen ins Bett, und das auch nur Nachts, sonst auf der Couch. Sonnenlicht so bald wie möglich in der Früh. Regelmäßige Mahlzeiten bringen den Körper ebenfalls wieder in einen Takt.

Fatigue ist eine Erschöpfung, die in keinem Verhältnis zur vorausgegangenen Anstrengung besteht und sich nicht durch Schlaf beseitigen lässt. Nach einem Supermarktbesuch oder nach einer getippten E-Mail ist man erstmal kaputt. Sollten dazu noch Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Sinnlosigkeit oder Freudlosigkeit kommen, sollte man zuerst eine Depression abklären lassen. Denn Antriebslosigkeit, schnelle Erschöpfung sowie Konzentrationsschwäche sind zusammen mit Schlafstörungen die Kernsymptomatik einer Depression. Diese lässt sich gut behandeln. Wenn eine Depression ausgeschlossen werden kann, bleibt die Fatigue. Dinge, die vorher nie ein Problem waren, werden plötzlich zu einer großen Kraftanstrengung. Wenn man sich dann “zusammenreißt” und alle Kräfte mobilisiert, um etwas zu tun, was früher nie ein Problem war, kann es sein, dass man danach erst recht zusammenbricht und am nächsten Tag zu noch weniger in der Lage ist. Man überanstrengt sich an einer kleinen Herausforderung und erleidet dann einen Crash, bzw. Post Excertional Malaise. Dieser Crash kann auch ein, zwei Tage später zeitverzögert auftreten. Um einen Crash zu vermeiden und seine Leistungsfähigkeit wieder zu steigern, sollte man Pacing machen. Pacing bedeutet, dass man sein Aktivitiätsniveau so wählt, dass es während der Aktivität nicht zu einer Verschlechterung kommt. Pacing ist eine Form von Energiemanagement. Die persönliche Aktivitätsgrenze sollte nicht überschritten werden, wie im Marathonlauf. Eine Faustregel für die Fatigue lautet: Der Maximalpuls sollte maximal 20 Schläge über dem Ruhepuls liegen. Am wichtigsten ist es, das einfach auszutesten. Halte alle Tätigkeiten und den Puls in einem Notizbuch fest. Der Puls sollte nie zu hoch werden! Auch wenn man eine Pause beim Treppensteigen machen muss … Wechsle auch zwischen körperlichen, geistigen und emotionalen Anstrengungen ab und plane genug Ruhepausen ein. Frage auch frühzeitig nach Unterstützung. Auch das Essen ist wichtig. Gerade wenn wir krank sind, ist unser Körper auf die besten Nährstoffe angewiesen. Die Hälfte der Nahrung sollte aus Gemüse bestehen. Nahrung ist Medizin. Die Ernährung sollte jetzt einer der wichtigsten Aspekte im Leben sein.

Long Covid ist mehr als eine Krankheit. Es besteht aus vielen Symptomen und Komponenten: Schlaf, Stimmung, Fatigue. Sprich mit einem Arzt darüber. Über die medizinische Behandlung hinausgehend solltest du morgens an die Sonne gehen und lege allerhöchsten Wert auf Regelmäßigkeit bei den Bettgehzeiten. Ansonsten gelten natürlich auch alle anderen Tipps aus dem Kurs, insbesondere die Schlafkompression.