8. Das Syndrom der unruhigen Beine
Restless Legs ist eine Volkskrankheit, die von Ärzten aber sehr häufig übersehen wird. Kribbelnde, brennende, reißende Gefühle, die sich nur durch Bewegung lindern lassen, zwingen die Menschen aus dem Bett. Herumlaufen auf kalten Fliesen oder feuchtem Gras, Füße kalt abduschen hilft. Mal ist es das eine Bein, manchmal das andere, mal sogar die Arme, manchmal gar nicht und dann wieder dauernd. Die Symptome treten ausschließlich abends oder in der Nacht auf, jedenfalls in Ruhe. Wenn sie sich durch Bewegung bessern, spricht man vom Syndrom der unruhigen Beine, Restless Leg Syndrom (RLS). Nach der Migräne ist es die zweithäufigste neurologische Krankheit, ein medizinischer Blockbuster, von dem aber kaum einer etwas weiß. 15% der Menschen leiden irgendwann einmal darunter, die Hälfte davon ist dauerhaft betroffen. Diese Missempfindungen in den Beinen führen dann schnell mal zu Schlafproblemen. Bei vielen Betroffenen kommt dazu, dass sich die Beine im Bett dann oft von selbst bewegen. Alle 15 bis 20 Sekunden zuckt es oder man lagert sich um. Das stört den Schlaf natürlich massiv.
Die Krankheit lässt sich gut behandeln, Auslöser ist ein Mangel an Dopamin. Interessanterweise liegt das Problem gar nicht in den Beinen selbst, sondern wahrscheinlich vor allem in der Signalverschaltung in den unteren Rückenmarksegmenten. Dort regelt der Botenstoff Dopamin die Signalstärke der Nerven und die Reflexanfälligkeit. Wird dort zuwenig Dopamin ausgeschüttet, kommt es zu Missempfindungen oder selbständigen Beinbewegungen. L-Dopa hilft ausgezeichnet gegen diese Beschwerden. Es wird immer noch benutzt, obwohl man inzwischen weiß, dass Dopamin-Agonisten die bessere Wahl sind. Die setzen sich an die gleichen Bindungsstellen wie das körpereigene Dopamin, wirken aber länger. Viel wichtiger ist aber die Frage, warum dort zuwenig Dopamin produziert wird. Daran dürfte ein zu niedriger Eisenspiegel schuld sein. Frauen sind da häufiger betroffen, da sie generell einen niedrigeren Eisenspiegel haben. Eisentabletten können helfen, die Beschwerden verschwinden zu lassen. Diese müssen aber über mehrere Monate eingenommen werden.
Der Arzt sollte den Eisenspeicherwert, den Ferritinwert, testen. Wenn dieser unter 50 Mikrogramm pro Liter liegt, sollte man etwas an der Ernährung testen oder Eisentabletten zuführen.
Weitere Tipps gibt es bei der RSL-Selbsthilfegruppe.
Auch leichte Bewegung am Tag kurbelt den Stoffwechsel an und führt zu einer besseren Produktion von Dopamin.
Menschen mit unruhigen Beinen neigen dazu, sich vor dem Schlafengehen zu fürchten und sich entsprechend zu verhalten. Siehe Kursinhalte.
Was nehmen wir mit?
Section titled “Was nehmen wir mit?”Das RLS ist sehr häufig und lässt sich mittlerweile sehr gut vom Neurologen behandeln. Außerdem sollte auf den Eisenwert geachtet werden. Wie immer ist es hilfreich, auf einen geregelten Schlafrhythmus zu achten.