Resilienz stärken
Belastungen treffen uns alle: zu viel Arbeit, Konflikte zuhause, Schicksalsschläge, eine Pandemie … Die Fähigkeit, mit solchen Belastungen umzugehen, bezeichnen wir als Resilienz bzw. psychische Widerstandskraft. Resiliente Menschen bleiben gelassener, erholen sich schneller und lernen optimalerweise etwas dazu.
Ein Schaumstoffball verformt sich unter Druck, aber sobald der Druck nachlässt, entfaltet er sich wieder. Er geht nicht kaputt, während eine Glaskugel zerspringen würde oder ein Plastillinball verformt bleibt.
Ein junger Baum biegt sich im Wind, aber der Wind regt ihn auch dazu an, mehr Wurzeln zu bilden. Er lernt durch die Belastung dazu, genauso, wie unsere Muskeln wachsen, wenn wir sie fordern.
Resiliente Menschen können mit Belastungen besser umgehen. Wenn der Druck nachlässt, finden sie schneller wieder zu ihrer urprünglichen Form zurück und können sich wieder entfalten. Sie können auch aus den Herausforderungen lernen und diese beim nächsten Mal besser meistern.
Wer achtsam ist, ist meistens auch resilient. Resilienz lässt sich auch durch Achtsamkeitstraining steigern. Warum ist das so?
- Achtsamkeit hilft uns, gegenwärtig zu bleiben. Wir lassen uns in stressigen Zeiten weniger unter Druck setzen.
- Wir können besser wieder abschalten, nehmen den Stress weniger stark mit.
- Wir merken schneller, wenn wir überfordert sind und was wir dann brauchen. Wir sind besser mit unseren Bedürfnissen in Kontakt.
Kursstruktur
Section titled “Kursstruktur”Tag 1 + 2: Zuerst üben wir Präsenz. Präsenz ist die Fähigkeit, gegenwärtig zu sein. Das hilft, weil wir uns von stressigen Gedanken weniger überrollen lassen und in Pausen besser abschalten können.
Tag 3: Was treibt uns an? Was sind unsere Werte und Ziele?
Tag 4 + 5: Wir kultivieren eine liebevolle und unterstützende Haltung uns selbst gegenüber.
Tag 6+: Bedürfnisse, Ressourcen und die Fähigkeit loszulassen und sich zu erholen.
Tag 1: Raum geben
Section titled “Tag 1: Raum geben”Heute lassen wir uns genau so sein, wie wir sind. Wir fühlen, spüren und nehmen wahr, was in uns geschieht. Wir stellen keine Anforderungen an uns, sondern nehmen uns so an, wie wir sind.
Im Alltag unterdrücken wir oft Gefühle, um eigenen oder fremden Erwartungen zu genügen. Wir knautschen uns zusammen. Beim Meditieren lassen wir den Druck los und entspannen unseren Organismus. Wir üben quasi, uns zu entknautschen.
Tag 2: Gegenwärtig sein
Section titled “Tag 2: Gegenwärtig sein”Kurze Pausen wind wertvoll. Wir unterbrechen den Strom der Gedanken und Geschäftigkeit. Wir wenden uns selbst zu und erlauben uns, zu fühlen und die Aufmerksamkeit in den Moment zu bringen. Menschen sind umso zufriedener, je mehr sie im hier und jetzt sind. Bei Stress ist das schwierig, aber die Anerkennung, was in uns geschieht, alleine hilft schon, gegenwärtig zu sein. Wir lassen uns nicht von den Gedanken davontragen. Wir bringen die Aufmerksamkeit in den Körper und nehmen wahr, wie wir uns fühlen, nehmen uns an, wie wir gerade sind. Gedanken und Gefühle dürfen da sein, aber wir wenden uns dem zu, was wir sinnlich erleben. Körper, Geräusche und Gerüche sind hirnphysiologisch eng mit Gefühlen verbunden. Daher sind sie gut geeignet, uns in die lebendige Erfahrung des Augenblicks zu holen. (Bilder hingegen werden schnell eingeordnet und wir verlieren uns schnell wieder in Gedanken.)
In der heutigen Meditation nutzen wir genau diese Zugänge.
Es ist normal, wenn der Geist unruhig ist und viele Gedanken da sind. Wir sollten das aber nicht (über)bewerten, sondern einfach weiterüben.
Wir können tagsüber erkunden, wie sich unser Körper und Atem anfühlt. Wir können dabei aussteigen aus den Gedanken über Vergangenheit oder Zukunft, und nur den Augenblick wahrnehmen. Geräusche, Gerüche helfen uns dabei, in den Moment zu kommen (Vogelzwitschern, der Geruch der Seife, …). Wenn wir den Körper spüren, können wir in Gesprächen präsenter bleiben.
Tag 3: Ein starker Antrieb
Section titled “Tag 3: Ein starker Antrieb”Was macht ein glückliches Leben aus? Ein Sinn im Leben finden, eine Aufgabe im Leben zu haben macht glücklich. Wenn wir einen Sinn im Leben sehen und unsere Werte kennen, wird das Leben voller, beseelter und reichhaltiger. Das ist eine tiefere Ebene des Glücks. Liebe und Fürsorge, Gerchtigkeit, Arbeit, die die Welt ein kleines Stückchen besser.
Sinn im Leben hilft uns auch über schwierige Zeiten. Viktor Frankl: Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie. (Begründer der Logotherapie). Ein starker Antrieb ist eine große, innere Kraftquelle.
Es gibt viele Wege, unsere Werte und Ziele zu erkunden. Hilfreich dafür ist die Frage, was mir wirklich wichtig ist.
Übung: Was ist mir wichtig und Rubriken “In sich ruhen”, “Achtsam im Alltag”
Andere Fragen wären: Wie will ich leben? Was will ich in die Welt bringen? Was liegt mir wirklich am Herzen?
Tag 4: Wohlwollen
Section titled “Tag 4: Wohlwollen”Eine starke Motivation hilft uns auch beim Meditieren. Wenn wir uns klarmachen, warum wir meditieren, warum uns oder anderen das hilft, dann können wir bewusster und mit mehr Energie meditieren. Daher beginnen wir ab jetzt jede Meditation damit, uns klarzumachen, warum wir das jetzt gerade tun.
Metta-Meditation
Section titled “Metta-Meditation”Aktiviert oft Hirnbereiche, die mit angenehmen Gefühlen, Fürsorge und Schmerzstillung zusammenhängen.
Wir denken zuerst an ein süßes Wesen, dann an uns, und zuletzt an eine größere Gruppe. Wer diese Meditation regelmäßig macht, ist weniger niedergeschlagen und erlebt häufiger angenehme Gefühls- und Geisteszustände wie Freude, Interesse, Liebe, Dankbarkeit oder Hoffnung. Daraus entstehen eine konstruktive Haltung und angenehme Gefühle, die uns in schwierigen Zeiten stärken.
Angenehme Gefühle lassen sich nicht erzwingen. Wir machen einfach und beobachten interessiert, was passiert.
Was passiert, wenn wir uns für uns selbst etwas wünschen? Wie fühlt sich das im Körper an?
Komisch, bissl traurig, weil da durchaus eine Diskrepanz zur Wirklichkeit ist.