Skip to content

5. Balance im Gehirn

Wie hilft der Schlaf dem Gehirn, wieder ins Gleichgewicht zu kommen? Wir reisen ins Innerste des Gehirns, zu den Nervenzellen und den Synapsen. Denn genau dort liegt unser emotionales Gleichgewicht.

Jede Nervenzelle hat tausende Kontaktstellen zu anderen Nervenzellen. Um ein Signal auszusenden, werden an den Enden, den Synapsen, Botenstoffe ausgeschüttet. Die Zahl der Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen nimmt im Verlauf eines Tages zu, und nach einer Nacht wieder ab. Was hat das für einen Sinn?

Wir machen jeden Tag neue Erfahrungen, bekommen neue Eindrücke, speichern diese ab, lernen. Lernen bedeutet meist, einen neuen Kontakt zwischen verschiedenen Nervenzellen hinzuzufügen, oder einen bestehenden zu verstärken. Wenn wir nun jeden Tag neue Verbindungen dazubauen, würde irgendwann unser Gehirn platzen und gleichzeitig würde das Gleichgewicht zwischen den Botenstoffen aus der fein abgestimmten Balance geraten. Deshalb muss nach jedem Tag mit neuen Eindrücken alles wieder in Form zurückgestutzt werden. Und das passiert natürlich im Schlaf. Schlaf bringt unser Gehirn wieder zurück in seine Balance. Schlaf ist also gar kein Ausruhvorgang des Gehirns. Sobald wir einschlafen, geht im Gehirn die Post ab. Nur so können wir am nächsten Tag wieder klar denken und neue Erinnerungen formen. Ohne Schlaf ist die Verbindungsstärke zwischen unseren Nervenzellen unausgeglichen und damit auch die Menge der Nervenbotenstoffe. Wenn wir nach mehreren Tagen ohne bzw. ohne ausreichenden Schlaf aus dem emotionalen Gleichgewicht, so liegt eine der Hauptursachen dafür in der unausgewogenen Ausschüttung von Neurotransmittern, da deren Menge von der Anzahl der Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen abhängt. Psychiatrisch wirksame Medikamente, also Psychopharmaka, modulieren die Ausschüttung und die Wirkung dieser Transmitter.

Schlaf wird somit zur Medizin fürs Gehirn, nur viel, viel besser. Selbst der beste Medikamentencocktail der Welt kann das Finetuning des Schlafes nicht ersetzen. Das Tolle daran ist ja, dass wir dafür gar nichts selbst tun brauchen. Und unser Körper holt sich den Schlaf, den er braucht. Je größer das Schlafdefizit, desto größer der Drang nach Schlaf, und desto mehr wird anschließend im Gehirn geputzt und gewienert. Einschlafschwierigkeiten sind also nicht auf eine Dysbalance der Botenstoffe im Gehirn zurückzuführen. Je länger wir wach waren, desto schneller schlafen wir ein. Für die nächtliche Putzaktion im Gehirn müssen wir nur die Rahmenbedingungen schaffen, die wir ja schon aus dem Kurs kennen. Nicht tagsüber schlafen, egal, wie müde wir sind, Regelmäßigkeit beim Schlafrhythmus (also immer zur selben Zeit ins Bett und auch aufstehen), und auf alles verzichten, was den Schlaf stören könnte, also Alkohol vor dem einschlafen und Koffein am Nachmittag. Und das Gehirn freut sich natürlich auch über einen Spaziergang am Morgen und am Abend. So wird es noch einmal mit Sauerstoff geflutet und kann besser arbeiten.

Im Gehirn geht nachts die Post ab, damit wir am nächsten Tag wieder klar denken können. Insbesondere ein geregelter Schlafrhythmus hilft dabei, dass die Verbindungen zwischen unseren Nervenzellen im Gleichgewicht bleibt. So verarbeiten wir nicht nur die Erlebnisse des Tages, sondern beugen außerdem noch Stimmungsschwankungen vor. Guter, regelmäßiger Schlaf ist Wellness fürs Gehirn. Regelmäßigkeit ist dabei das Schlüsselwort.