9. Zähneknirschen und Tinnitus
Zähne zusammenbeißen und durch! Nachts knirschen wir öfter mit den Zähnen, wenn wir gestresst sind. Wie hängt das mit Tinnitus zusammen?
Zähneknirschen und Tinnitus sind genauso medizinische Blockbuster wie Schnarchen und Restless Legs. Etwa 20% der Deutschen knirschen nachts regelmäßig mit den Zähnen.
Der Kraftaufwand beim Zähneknirschen führt zu Verspannungen des gesamten Kiefers und der Muskeln im Halsbereich. Die Hälfte der Deutschen knirscht ab und zu, 15% so viel, dass sie sich behandeln lassen müssten. Wer zuviel knirscht, bekommt eine cranio-mandibuläre Dysfunktion. Das äußert sich in starken Schmerzen und/oder kann den Kiefer nicht mehr öffnen. Aber warum knirschen wir? Wir wissen es nicht.
Zähneknirschen ist bis zu einem gewissen Grad normal, insbesondere im Kindesalter. Da müssen die Zahnreihen eingeschliffen werden. Diese Schleifprozedur wird vom Hirnstamm aus gesteuert und tritt in den frühen Morgenstunden im Übergang vom Leichtschlaf zum REM-Schlaf auf. Dann leistet unsere Kiefermuskulatur Schwerstarbeit (bis zu 300 Kilo Druck pro Quadratzentimeter Zahnfläche werden dabei ausgeübt).
Eine Theorie besagt, dass nächtliches Zähneknirschen als Boxsack fungiert, wenn wir sehr gestresst sind. Einmal auspowern, nachher dann umso besser schlafen.
Eine andere Theorie sagt, dass wir unter Stress häufiger aufwachen, um nach dem rechten zu sehen. Jede kleine Schlafwechselphase bietet die Möglichkeit für eine kurze Knirschepisode.
Jedenfalls kann sich die andauernde Anspannung unserer Kiefermuskulatur auch auf unser Innenohr auswirken. Ein Pfeifgeräusch, ein Tinnitus, kann entstehen. Durch den starken Druck werden die feinen Haarzellen im Innenohr ähnlich stark geschädigt wie durch einen Hörsturz oder dauerhaft starke Beschallung. Dieser Zusammenhang ist vielen nicht bewusst. Eine Knirschschiene kann abhelfen.
Tinnitus und Schlaf sind tatsächlich eng verbunden. Zwei Drittel der Tinnituspatienten haben gleichzeitig massive Schlafstörungen. Der Tinnitus verstärkt sich durch den gestörten Schlaf. Henne - Ei, was zuerst da war, lässt sich oft nicht mehr eruieren. Der klassische Tinnitus ist übrigens nur für einen selbst wahrnehmbar. Selbst wenn man den Hörnerv durchtrennen würde, könnte man immer noch Tinnitus bekommen. Man nimmt an, dass er auf fehlgesteuerte Nervenaktivitäten der auditorischen und weiteren Teilen des Gehirns beruht. Das Gehirn selbst erzeugt den Ton. Eine wichtige Regel beim chronischen Tinnitus ist, die Stille zu vermeiden. Eine Möglichkeit ist ein blubbernder Zimmerspringbrunnen. Die einzige Therapiel ist die Tinnitus-Retraining-Therapie. Man kann das Geräusch im Gehirn umdeuten. Meditation hilft auch. Das geht auch per App.
Auch gegen Zähneknirschen ist Entspannung ein zentrales Element der Therapie. Die Knirschschiene vom Zahnarzt löst einen Schutzreflex des Kiefers aus (Kirschkernreflex). Ein guter Physitherapeut kann begleitend für eine entspannte Kaumuskulatur sorgen. Er dehnt verkürzte Gelenkkapseln und entspannt strapazierte Haltehilfsmuskulatur im Nackenbereich.
Parallel dazu steht immer die Selbstbeobachtung. Wenn wir den Kiefer nicht benutzen, hängt er eigentlich locker herunter. Nur beim Kauen treffen die Zähne aufeinander. So kann man sich im Tagesverlauf immer wieder selbst fragen, ob der Kiefer gerade entspannt ist oder nicht. Auch dazu gibt es Apps.
Was nehmen wir mit?
Section titled “Was nehmen wir mit?”Zähneknirschen ist weit verbreitet. Die daraus resultierenden Verspannungen können Kopfschmerzen oder Tinnitus auslösen. Eine angepasst Schiene vom Zahnarzt hilft. Dazu Physiotherapie und Entspannung. Gegen Tinnitus hilft Retraining.